Das Weinelied

Ihr covert „The Weeping Song“ von Nick Cave & The Bad Seeds. In eurer Übertragung ins Deutsche heißt das Stück „Das Weinelied“, was ist das Besondere an diesem Stück für euch?

Marilies Jagsch: Das Lied passt natürlich zu unserem Konzept als Band perfekt dazu. Der Text – und das Lied grundsätzlich – ist eine gute Ergänzung zu unseren anderen Songs. Es ist live auch immer gut, so einen Hit im Repertoire zu haben.

Wolfgang Wiesbauer: Wir spielen live gerne ein oder zwei eingedeutschte Melancholie-Hits. Natürlich sind Lieder von Nick Cave oder Leonard Cohen dabei, das sind die großen Titanen des melancholischen Songwritings.

„Eine ganze Platte mit übertragenen Liedern zu machen, wäre mir zu wenig“

Was ist der Reiz daran, ein Lied in eine andere Sprache zu übertragen? Und das Werk dadurch zu bearbeiten.

Marilies Jagsch: Spannend ist daran, dass daraus dann immer ein neues Lied wird. Wenn Wolfgang die Texte übersetzt, dann macht er sich jedes Lied bis zu einem gewissen Grad auch zu eigen und dadurch passt es wiederum besser in unser Programm. Das ist eine andere Ebene von Covern. Eine Übersetzung ist ja auch ein künstlerischer Akt.

Wolfgang Wiesbauer: Wir haben bei unserem letzten Konzert „Where the wild roses grow“ übertragen und bei uns ist die Frau die Mörderin und der Mann das Opfer. Grundsätzlich schreibe ich lieber eigene Lieder. Eine ganze Platte mit übertragenen Liedern zu machen, wäre mir zu wenig. Aber für ein Konzert ist es ganz nett, eine oder zwei Markierungen zu setzen und zu sagen, dass das sozusagen die Vorbilder sind. Man überträgt ja nicht nur in die deutsche Sprache, man überträgt das Arrangement und das Lied auch in seine musikalische Sprache. Die Leute, die das Original kennen, hören dann die Unterschiede. Wenn man ein Lied covert, erkennt man daran die Eigenheiten einer Band, die das Lied einfach anders spielt.


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Was ist für dich das Besondere an Vienna Rest in Peace im Vergleich zu anderen Band-Konstellationen, die du kennst?

Marilies Jagsch: Für mich stechen Wolfgangs Texte heraus, die jedes Lied tragen und ihm eine ganz besondere Poesie verleihen. Rund um diese Texte bauen wir dann gemeinsam eine kleine musikalische Welt, aber ohne das Gerüst der Worte könnte diese Welt nicht existieren.

Bitte greife ein Lied der neuen Platte heraus, das für dich eine besondere Bedeutung hat.

Marilies Jagsch: Mein Lieblingslied ist „Mit schlafenden Hunden“. Bei diesem Song war ziemlich schnell klar, dass es die Schlussnummer wird, und es war spannend, wie sich das Lied im Proberaum weiterentwickelt hat. Beim Arrangement war es eine Herausforderung, dieses lange Lied auf eine besondere Weise zu steigern und ich finde, das haben wir ganz gut hingekriegt.

Wolfgang Wiesbauer: Dem kann ich mich nur anschließen. Manche Lieder verändern sich auch in der Wahrnehmung. Vor allem wenn wir es live spielen, finde ich das Lied „oh ja“ cool, mit dieser gefälschten Wirtshausstimmung. Da geht es schon um die Bejahung des Lebens, mit all seinen Schwierigkeiten und Problemen. Für mich ist es ein Corona-Lockdown-Lied, obwohl es schon längst fertig war, als Corona angefangen hat. Es ist auch manchmal lustig, wie Lieder manchmal zu Situationen passen, für die sie ursprünglich nicht geschrieben worden sind. Dieses volksliedartige bei diesem Lied funktioniert auch live sehr gut.


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